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Dr. med. Bernd Loos – Klinik am Stadtgarten – Mehr als Schönheitschirurgie

Dr. Bernd Loos ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und seit 10 Jahren Inhaber und ärztlicher Leiter der Klinik am Stadtgarten. Er ist ein Spezialist auf dem Gebiet der Ästhetisch Plastischen Chirurgie.

Dr. Loos, die Klinik am Stadtgarten feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen, wie hat sich die sogenannte Schönheitschirurgie seitdem entwickelt?

Ja genau, vor 10 Jahren habe ich die schon seit 1977 bestehende Klinik von meinem Vorgänger Dr. Sandner übernommen. Plastische Chirurgie mache ich ja schon seit 2002.
Im Großen und Ganzen hat sich an den Operationstechniken nicht sehr viel verändert. Sie wurden zum Teil verfeinert, richtige Neuentwicklungen gab es aber nicht. Hinzugekommen sind aber sehr viele nichtoperative und minimalinvasive Verfahren und Geräte, die den Bereich ergänzen oder zum Teil sogar ersetzen sollen.
Während zu Beginn meiner Zeit hier in Karlsruhe und Baden-Baden hauptsächlich Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie in eigenen Praxen und Kliniken im Bereich der sogenannten Schönheitschirurgie tätig waren, kamen in den letzten Jahren viele Geschäftemacher, Billiganbieter und fachfremde Ärzte auf den Markt, die auch sogenannte Schönheitsoperationen oder Schönheitsbehandlungen anbieten.

Von welchen neuen Verfahren sprechen Sie?

Die Industrie schmeißt in Massen Geräte auf den Markt, die z.B. die Haut straffen oder Fettgewebe wegschmelzen sollen und so sogar operative Eingriffe ersetzen sollen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die meisten dieser Geräte haben eines gemeinsam. Im besten Falle sieht man keinen Effekt, im schlechtesten Fall führen die Geräte zu zum Teil schwerwiegenden Schäden. Es gibt nur wenige Geräte für sogenannte Schönheitsbehandlungen auf dem Markt, die wirklich nachhaltig entwickelt und an einer großen Anzahl von Patienten getestet wurden und auf diese Weise ihre Wirksamkeit und Sicherheit bewiesen haben.
Ich verwende zum Beispiel ein Gerät zur Kryolipolyse, das von den Entdeckern dieses Verfahrens entwickelt und im Rahmen großer Studien getestet wurde. Es heißt Coolscultpting und man kann hiermit durch gezielte Kälteanwendung Fettgewebe wegfrieren und so störende Fettpolster ohne Operation entfernen. Das Coolsculpting Gerät ist das einzige Gerät auf dem Markt für das Kryolipolyseverfahren, das sicher ist, das heißt keine Erfrierungen macht und nachgewiesenermaßen auch funktioniert. Bei Nachahmergeräten, wie es viele auf dem Markt gibt, ist es im besten Fall so, dass das Gerät nicht funktioniert, im schlechtesten Fall bekommt man tiefe Erfrierungen an der Haut, die hässliche Narben zurücklassen

Wie funktioniert die Kryolipolyse?

Bei der Behandlung wird das Fettgewebe der Problemzonen durch das Gerät gezielt auf 4°C heruntergekühlt, die Behandlungszeit ist je nach Körperregion zwischen 35 Minuten und 75 Minuten. Die Kälteeinwirkung führt dazu, dass die Fettzellen eine sogenannte Apoptose durchlaufen, das heißt sie begehen quasi Selbstmord. Die Fettzellen werden dann von Fresszellen abgebaut. Das Ganze dauert ca. 3 Monate, wobei erste Effekte nach ca. 8 Wochen sichtbar sind. Man schafft mit einer einmaligen Behandlung ca. 30% der vorhandenen Fettgewebsdicke. Beschwerden hat man, wenn überhaupt, nur sehr leichte und nur 2-3 Tage. Geeignet ist das Verfahren für Normal- oder nur leicht übergewichtige Patienten mit störenden Fettpölsterchen z.B. an den Hüften, Bauch oder Oberschenkel. Wenn die Fettansammlung jedoch, zu groß ist, empfiehlt es sich jedoch die Stellen operativ abzusaugen. Jede Methode hat ihre Grenzen.

Wenden Sie weitere nichtoperative Verfahren an?

Ja, neben den klassischen Unterspritzungsverfahren mit Botox, Hyaloronsäure und Radiesse biete ich noch ein nichtoperatives Verfahren zur Behandlung von übermäßigem Schwitzen unter den Achseln an, die Miradry Behandlung. Bisher konnte verstärktes Schwitzen unter den Achseln nur mit Botox oder einer Operation behandelt werden. Botox ist hier sehr effektiv, muss aber mindestens alle 6 Monate wiederholt werden. Erfahrungsgemäß lässt die Wirkung hier auch mit den Jahren nach und die Spritzabstände werden kürzer.
Die Operation ist ziemlich unzuverlässig und kann im Extremfall zum Absterben von Haut führen.
Bei der Miradrybehandlung werden die Achseln zunächst lokal betäubt. Die Hautanhangsgebilde, unter anderem die Schweißdrüsen, werden dann durch das Gerät mit Mikrowelle, also Hitze, quasi verödet. Man erreicht mit dieser Behandlung eine Reduktion der Schweißmenge um bis zu 90%. Die Behandlung ist sehr zuverlässig. Schwere Komplikationen treten nicht auf. Als Nebeneffekt wird auch das Haarwachstum unter den Achseln reduziert.Einer der ersten Patienten, die ich behandelt habe, war im Rahmen eines Werbedrehs Dirk Orlishausen, Torwart vom KSC. Der ist jetzt glücklich und kann wieder farbige Hemden ohne Schweißflecken anziehen. Seine Frau meinte: „Und ich habe weniger Wäsche.“

Wie schätzen Sie es ein, dass immer mehr fachfremde Ärzte, Geschäftemacher und sogar Heilpraktiker in den Markt der „Schönheitsmedizin“ drängen?

Wie überall, wo es Geld zu verdienen gibt, finden sich auch schwarze Schafe. Diese Entwicklung halte ich für äußerst gefährlich. Es ist eigentlich selbstverständlich, dass man, wenn einem das Knie weh tut, zum Orthopäden und nicht zum Gynäkologen geht. Im Bereich der sogenannten „Schönheitschirurgie“ wird die Qualifikation und Ausbildung des Arztes nicht so sehr hinterfragt. Da tummeln sich allerlei Ärzte, die sich als Schönheitschirurgen bezeichnen und kaschieren durch diesen nicht geschützten Begriff ihre wahre Qualifikation, z.B. HNO, Gynäkologie, etc. Nur der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie hat die diversen Operationen und Behandlungen im Rahmen seiner sechsjährigen Facharztausbildung gelernt. Andere Fachärzte nicht. Ich kann nur jedem Patienten raten, sich genau über die fachärztliche Qualifikation des Behandlers zu informieren und auf keinen Fall die Entscheidung für einen Arzt über den Geldbeutel zu treffen

Axel Kahn

www.kasg.de